3. Jahrestagung für Betriebsräte in Aus- und Weiterbildungsausschüssen

Arbeitsleben als Verwirklichungschance

Wie lässt sich das Arbeitsleben als Verwirklichungschance begreifen und welches sind die richtigen Instrumente für betriebliche und außerbetriebliche Weiterbildung? Diesen Fragen diskutierten die Teilnehmer am zweiten Tag der 3. Jahrestagung für Betriebsräte in Aus- und Weiterbildungsausschüssen. Im Fokus der Jahrestagung standen die Möglichkeiten, aus den Betrieben heraus Antworten auf die drängenden Fragen der demografischen Herausforderungen und des drohenden Fachkräftemangels zu entwickeln.

Kersten Flenter

Podiumsdiskussion bei der 3. Jahrestagung für Betriebsräte in Aus- und Weiterbildungsausschüssen
30.01.2013
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Den ersten Schwerpunkt des zweiten Tages bildete der Vortrag Prof. Dr. Jürgen Kädtlers aus Göttingen. Kädtler entwickelte die Begriffe Teilhabe und Wohlfahrt als Kriterien von Verwirklichungschancen im Arbeitsleben. Die Tendenz zu prekären Arbeitsverhältnissen führte eher zu einer Teilhabeminderung im Alter, so der Leiter des Soziologischen Forschungsinstituts. Weder früher Ausstieg noch länger Arbeiten seien nach einer solchen Erwerbsbiographie eine Option. Auch dies machte prekäre Arbeitsverhältnisse riskant. Kädtler unterstreicht daher dringenden Handlungsbedarf hinsichtlich betrieblicher Arbeitspolitik auf den Ebenen von Gesellschaft, Gesetzen, sowie auf tariflicher und betrieblicher Ebene.

Das noch junge und weitgehend unbekannte Konzept der Arbeitsversicherung war Gegenstand der abschließenden Podiumsdiskussion mit Klaus Brauer (Leiter der Abteilung Arbeitsmarktpolitik der IG BCE), Francesco Grioli (IG BCE-Vorstandssekretär), Anis Ben-Rhouma (Abt. Bildung/Weiterbildung der IG BCE) und Angelika Hammer vom Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik in Köln. Unter den Diskutanten herrschte Einigkeit darüber, dass schnellstmöglich Antworten auf den brennenden Fragen von Demografie und Fachkräftemangel gefunden werden müssen. Berufliche Weiterbildung spiele hierbei eine zentrale Rolle. "Es kommt darauf an, die besten Instrumente zu finden, um den Wissenstransfer zu organisieren", sagte Franceso Grioli.

Die Arbeitsversicherung stellt hierbei ein Konzept dar, das die Absicherung gegen Arbeitslosigkeit durch einen Weiterbildungs- und Qualifizierungsanspruch erweitert. Ob diese beitrags- oder steuerfinanziert werden müsste, ist letztlich auch eine Frage, wer Nutznießer von Weiterbildung sein soll. Um gesamtgesellschaftlich auch die Menschen zu erreichen, die nicht in Normalarbeitsverhältnissen beschäftigt sind, sei eine Steuerfinanzierung unumgänglich, sagte Klaus Brauer. Schnell umsetzbar wären auf Betriebsebene tarifliche Regelungen, wie sie die IG BCE bereits mit innovativen Konzepten angeschoben hat – wenn der politische Wille hierzu auch bei Arbeitgebern vorhanden ist.

Dieser scheine sich aber langsam einzustellen, da der Fachkräftemangel bereits jetzt in vielen Branchen und Betrieben deutlich sichtbar ist. Demografie und Weiterbildung stellen für die IG BCE daher die tarifpolitischen Kernthemen der Zukunft dar, und es sind zu einem wesentlichen Teil die Betriebsräte in Aus- und Weiterbildungsausschüssen, deren Kompetenzen in den Betrieben gefragt sein werden.

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