Kommentar Gunther Kollmuß

Mobiles Arbeiten jetzt konkret gestalten

In der neuen Standortvereinbarung heißt es, dass Betriebsrat und Unternehmen davon überzeugt sind, dass die Erprobung und Einführung moderner Arbeitsformen „einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Standorts leisten“. Und sie heben hervor, dass „differenzierte Ansätze für unterschiedliche Mitarbeitergruppen notwendig sein können“.

Es gibt also nicht nur „die eine“ moderne Arbeitsform. Genau das zeigt auch die Corona-Krise sehr deutlich. Denn um das Ziel „Schutz vor Infektion“ wirksam umzusetzen, sind unterschiedliche Wege beschritten worden. Wo es geht, sind offensiv Wege gesucht und gefunden worden, wie beispielsweise ein Mitarbeiter vom Home-Office aus arbeiten kann. Diese Erfahrungen sollten ein lehrreiches Fundament dafür sein, wie künftig Beschäftigte in (oder außerhalb) „ihrer Anilin“ arbeiten können. 

Vor- und Nachteile im Home-Office...

Betriebsrat und Unternehmen kamen in der Standortvereinbarung überein, Mobiles Arbeiten – soweit betrieblich und persönlich möglich – weiter auszubauen. Das ist gut. Für Arbeitnehmer gibt es künftig mehr Möglichkeiten, ihr Erwerbsleben mit der Kinderbetreuung und der Pflege von Angehörigen zu verbinden. Soweit die Theorie. Die „Corona-Praxis“ zeigte und zeigt aber, wie herausfordernd der Spagat zwischen konzentrierter WebEx-Konferenz und aufmerksamkeitsfordernden Kleinkindern sein kann. Auch die Hausaufgabenhilfe verlangt auf ihre Fragen zügige Antworten. Was dann jedoch nicht sein darf: Dass sich der gewollte Feierabend „zuhause“ noch schwieriger darstellt.

Fazit: Mobiles Arbeiten kann von Vorteil sein, einen Automatismus dazu gibt es aber nicht. Deshalb kommt es auf Betriebsrat und IG BCE an, die vielen Herausforderungen zum Mobilen Arbeiten möglichst konkret, sicher und für alle transparent zu gestalten. Denn auch ein Mobiles Arbeiten muss „Gutes Arbeiten“ sein! Zur guten Bezahlung gehören hier gleichermaßen klare Arbeitszeitregelungen, einzuhaltende Sicherheitsstandards, ergonomisches Arbeiten und die Einbindung in ihr oder sein jeweiliges Team.

…deshalb braucht es geregelte Arbeitsbedingungen!

Dass das Unternehmen mit Mobilem Arbeiten vorwiegend Aspekte der Effizienzsteigerung verknüpft und sogar realisiert, ist für uns keine Nebensache. Das ist okay. Und das wollen wir als Gewerkschaft auch nicht ausschließen. Es geht uns aber darum, die dann notwendigen Arbeitsbedingungen zu gestalten. Es nützt nichts, wenn nur der Stuhl im Werk ein rückenfreundliches Arbeiten gewährleistet, das Home-Office aber vieles schnell wieder zunichte macht.

Im Tarifvertrag „Moderne Arbeitswelt“ heißt es unter anderem, dass die Digitalisierung ein bestimmendes Thema unserer Zeit sei. Neue Technologien können einerseits Freiräume bieten, andererseits aber zu steigenden Belastungen und weiterem Qualifizierungsbedarf führen. In diesem Spannungsfeld verständigten sich die Chemie-Sozialpartner 2019 auf einen Zukunftsbetrag, der neben der Möglichkeit zur weiteren Freistellung ebenso Möglichkeiten der Gesundheitsförderung oder des Ausbaus von Qualifizierungsmaßnahmen bietet.

Die kommplette Ausgabe des Kurieres gibt es hier:

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