IG BCE aktuell 12-2017

IG BCE zeigt Flagge

Bei einer beeindruckenden Großdemonstration im Rheinland und einer Mahnwache vor dem Brandenburger Tor und diversen Aktionen bei Veranstaltungen von CDU, SPD und Grünen verlangten die Beschäftigten der Braunkohleindustrie Respekt und Perspektiven für ihre Arbeit.

Markus J. Feger

Kundgebung "Es ist 5 vor 12! 5000 Beschäftigte demonstrieren im Rheinschen Revier für mehr Realismus in der Energiepolitik.
07.12.2017
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Rund 5.000 Beschäftigte der Braunkohle und aus Energieunternehmen zogen am 1. Dezember zum Kraftwerk Niederaußem. Klar wurde bei der Demonstration, wie sehr die emotional aufgeladene Debatte um die Braunkohle an den Nerven der betroffenen Beschäftigten zerrt. „Mit jeden Gigawatt, über das diskutiert wird, stehen 1000 Arbeitsplätze auf dem Spiel“, betonte Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE. Gefährdet sind jedoch nicht nur die Arbeitsplätze in den betroffenen Unternehmen direkt, sondern zum Beispiel auch die in Aluminiumhütten und anderen energieintensiven Unternehmen. Günther Appenstiel, Betriebsratsvorsitzender von Norsk Aluminium rief: „Ihr sorgt dafür, dass es in Deutschland nicht dunkel wird!“ Letztlich gehe es um den gesamten Industriestandort.

Scharf und deutlich kritisierte Vassiliadis die Debatten um ein voreiliges Abschalten konventioneller Kraftwerke, wie sie im Rahmen der Regierungsbildung in Berlin hochgekommen sind. Statt eine realistische Politik zu betreiben, würden Emotionen geschürt. „Da werden Glaubenskriege in die Gesellschaft getragen“, sagt er. Die Ziele in der Klimapolitik würden immer ehrgeiziger, Argumente und realistische Einschätzungen fänden hingegen kein Gehör. „Das ist etwas, was uns tief im Herzen verletzt – dass man uns nicht zuhört“, sagte Vassiliadis unter tosendem Beifall.

Zwei Wochen zuvor versammelten sich vor dem Ende der Sondierungsgespräche zu einer Jamaikakoalition bereits 240 Beschäftigte aus den ostdeutschen Braunkohlerevieren. Sie bildeten eine Mahnwache vor dem Brandenburger Tor, bei der sie von Beschäftigten des Kupferproduzenten Aurubis aus Hamburg unterstützt wurden.

„Unsere Politiker sind nicht verlässlich und drehen sich wie ein Fähnlein im Wind. Es ist abenteuerlich zu behaupten, Kohlekraftwerke ließen sich völlig folgenlos vom Netz nehmen“, erklärte Oliver Heinrich, Landesbezirksleiter Nordost den Aufruhr der Beschäftigten. Heinrich weiter: „Braun- und Steinkohle stehen noch immer für 40 Prozent unserer Stromversorgung!“ Uwe Teubner, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Lausitz Energie Bergbau AG sagte: „Eines ist klar: Es geht nicht nur um Arbeitsplätze. Es geht um eine ganze Region, die in Gefahr ist, die überaltert wird und in der junge Menschen keine Perspektive haben.“

Das Wetter hatte bei beiden Veranstaltungen Symbolcharakter: keine Sonne und Windstille, es herrschte regelrecht Dunkelflaute. Die Menschen in den Revieren wissen, wer im Industrieland Deutschland auch bei solchem Wetter sicher und günstig Strom liefert – das Kraftwerk. Weil es läuft.

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