Kompakt-Interview mit Martin Schulz

„Entscheidend ist Verlässlichkeit“

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz spricht im Kompakt-Interview über Ungerechtigkeiten auf dem Arbeitsmarkt, Dauerverfügbarkeit durch Digitalisierung und militante Kohlegegner. In den kommenden Tagen, wenn die Kompakt im Briefkasten landet, können sich alle Leser über die Positionen des SPD-Vorsitzenden informieren. Schulz nennt konkrete Zahlen und kritisiert militante Kohlegegner.

Stefan Koch

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.
27.04.2017
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Das Wort Gerechtigkeit möchte Martin Schulz mit Leben füllen. Er spricht sich für eine gleiche Besteuerung von Kapital und Arbeit aus: „Wer hart für sein Geld arbeitet, darf nicht schlechter gestellt werden als der, der sein Geld für sich arbeiten lässt“, sagt er. Und er wendet sich gegen die zunehmende Tarifflucht vieler Arbeitgeber. „Unser zentrales Ziel in der Arbeitsmarktpolitik muss es sein, die Tarifbindung wieder zu stärken“, sagt der SPD-Kanzlerkandidat. Denn die sei der „Kern der sozialen Marktwirtschaft“.

Das Konzept der Familienarbeitszeit verteidigt Schulz gegen Kritik. Die Reduzierung von Arbeitszeit könne Stress reduzieren – selbst Arbeitgeber würden davon indirekt profitieren. Die Finanzierung sei kein Problem: Trotz des weltweiten Trends zu steigenden Verteidigungsausgaben lehnt Schulz es ab, 20 bis 30 Milliarden Euro mehr in Rüstung zu stecken. Diese Vorschläge der CDU seien „grundfalsch“.

Bei der Energiewende müsse ein Dreiklang aus Ökonomie, Ökologie und sozialer Gerechtigkeit gelten. Schulz zeigte sich entsetzt über das Verhalten von militanten Kohlegegnern, die Mitarbeiter von Tagebauen oder Kraftwerken zum Teil sogar angreifen. „Entscheidend ist Verlässlichkeit. Wir können in den nächsten Jahren auf Kohle nicht verzichten“, sagt Schulz.

Besonders das Thema Digitalisierung treibt Martin Schulz um. Sie „bietet große Chancen für die deutsche Wirtschaft. Aber sie bringt natürlich auch Risiken“, sagt Schulz im Interview beim Treffen des IG-BCE-Beirats in Langenhagen bei Hannover. Die ständige Erreichbarkeit könne im beruflichen Bereich fatal sein. Schulz spricht sich für einen Schutz vor der Vermischung von Beruf und Privatleben aus, der nur mit starken Gewerkschaften zu machen sei.

Im aufziehenden Bundestagswahlkampf kämpfen die Kandidaten der Parteien um jede Stimme. Die Kompakt-Leser können sich in der Mai-Ausgabe, die rund um den Tag der Arbeit erscheint, ein Bild vom Kandidaten der SPD machen.

Im Videointerview mit der IG BCE kommen andere Themen zur Sprache: etwa seine Leidenschaft für Bücher, die im Wahlkampf oft zu kurz kommt.

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